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Wachstum in Fernost – Chaos in Nahost

Philipp Mattheis Von Philipp Mattheis
18. Dezember 2016, China, Myanmar, Philippinen, Türkei
Wohnkomplex im Zentrum Yangons

Philipp Liebe Leserinnen und Leser, noch gehört Myanmar zu den ärmsten Ländern der Welt – außerhalb der boomenden Großstadt Yangon sieht man nicht selten Formen von Zwangsarbeit: Trupps bestehend aus Frauen und Kindern teeren Straßen mit der Hand. Trotzdem – oder gerade deswegen: In Myanmar ist Aufbruchstimmung. Das geostrategisch wichtige und an Rohstoffen reiche Land liegt zwischen Indien und China, und war die vergangenen Jahrzehnte von der Außenwelt abgeschirmt. Seit 2012 öffnet sich Myanmar – die Wachstumsraten liegen zwischen sieben und acht Prozent im Jahr.  Die Unternehmensberatung Roland Berger hat deswegen vor kurzem eine Studie zu dem Land veröffentlicht. Myanmar ist ein Nischenmarkt, aber ein weiteres Beispiel dafür, wie prosperierend die Region ist, und wie interessant für viele deutsche Investoren. Das trifft – natürlich in zahlreichen Abstufungen – auf ganz Ostasien zu. Vorausgesetzt die Region bleibt politisch stabil, wird sich der wirtschaftliche Schwerpunkt der Welt in den nächsten Dekaden hin zum Pazifik verlagern.

Währenddessen droht, eine uns geographisch viel nähere Region im Chaos zu versinken. 2016 war ein furchtbares Jahres für die Türkei. Allein in Istanbul kam es zu vier großen Terroranschlägen: Auf eine Touristengruppe im Januar, auf die Istiklal-Straße im März, auf den Atatürk-Flughafen und schließlich vergangenes Wochenende auf eine Polizei-Wache beim Besiktas-Fußballstadium. Die Folgen des Terrors und des Putschversuchs schlagen sich jetzt auch immer deutlicher in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes nieder: Im dritten Quartal 2016 schrumpfte die türkische Wirtschaft zum ersten Mal seit sieben Jahren.

Dabei ist das Brückenland zwischen Ost und West noch das stabilste der Region. In Syrien und der Irak herrscht noch immer Krieg. Ägypten ist demographisch wie wirtschaftlich in einer angespannten Lage. Saudi-Arabien bezeichnen Beobachter als „tickende Zeitbombe“. Europa wird sich eine Strategie überlegen müssen, wie sie mit den Herausforderungen seines Außenraums umgeht – und zwar gemeinsam. Weniger Kooperation zwischen den Mitgliedsstaaten wird die Lage verschlimmern.

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Viele Grüße aus Istanbul
Philipp Mattheis

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