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Das Ende der Lockerheit

Islamisten sind in Indonesien auf dem Vormarsch.

Frederic Spohr Von Frederic Spohr
19. November 2016, Indonesien
Muslime in Indonesien. Foto: Nicko Witjatmoko, CC BY-SA 4.0

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Liebe Leserinnen und Leser, Indonesien gilt als pluralistischer Vorzeigestaat. Doch angesichts der jüngsten Ereignisse sorgen sich viele Minderheiten, ob das weiterhin so bleibt. Als ich vergangene Woche in Jakarta war, berichteten mir viele von ihren Ängsten.

Nach einer aus westlichen Perspektive recht harmlose Aussage des chinesisch-christlichen Gouverneurs von Jakarta, konnten Islamisten hunderttausende Demonstraten mobilisieren. Der sich im Wahlkampf befindende Ahok wollte Muslime darauf hinweisen, dass eine Koran-Sure ihnen nicht verbieten würde, für ihn zu stimmen: „Wenn ihr Angst habt, für mich zu stimmen, weil Ihr dann in die Hölle kommt: Macht Euch keine Sorgen, Ihr wurdet angelogen“, rief er auf einer Kundgebung.

Die Demonstranten forderten die Anklage wegen Blasphemie – und die Behörden folgten dem Ruf der Straße. “Es zeigt sich, dass die Behörden sich eher um religiöse Hardliner kümmern, anstatt um den Schutz und den Respekt der Menschenrechte für alle”, protestierte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Die eindeutige Mehrheit der Muslime in Indonesien praktiziert einen gemäßtigten Islam – und doch schaffen es die Radikalen, ihren Einfluss zu erhöhen. Das erinnert mich an einen Essay des Autoren und Finanzmathematikers Nassim Nicholas Taleb, der mir diese Woche zufällig empfohlen wurde: The Most Intolerant Wins: The Dictatorship of the Small Minority

Wie war Ihre Woche? Schreiben Sie mir unter fredericspohr@8mrd.com

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Herzliche Grüße aus Bangkok

Frederic Spohr

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