So abhängig ist Kambodschas Wirtschaft von Angkor Wat

Kambodschas Tempel-Wirtschaft

Wegen einer sensationellen Studie blickt die Welt auf Angkor Wat – einer der wichtigsten Devisenbringer des Landes.

Frederic Spohr Von Frederic Spohr
14. Juni 2016, Kambodscha
Angkor Wat lockt jedes Jahr rund zwei Millionen Besucher an. Foto: Frederic Spohr

Angkor Wat in Kambodscha ist weltweit in Schlagzeilen: In London haben Wissenschaftler diese Woche eine Untersuchung präsentiert, die Archäologen bereits als bahnbrechend feiern. Das Team hat per Laser aus der Luft eine riesige Megacity mit mehr als einer Million Einwohner bei der Tempelanlage entdeckt, möglicherweise die größte Metropole des 12. Jahrhunderts. Bisher war nur ein Bruchteil der Siedlung namens Mahendraparvata bekannt.

Die alte Khmer-Zivilisation war außerdem erfinderischer als gedacht: Über ausgetüftelte Bewässerungstechnologien verfügten die alten Khmer Jahrhunderte früher als den bisherigen Theorien zufolge.

Noch ist allerdings unklar, wie die neu entdeckten Überreste für Touristen zugänglich gemacht werden können. Experten zufolge könnte es auch noch einige Zeit dauern, bis sich die frischen Erkenntnisse in neuen Touren und Infomaterialien niederschlagen werden.

Der Wirtschaft des Landes wäre es zu wünschen, wenn die Entdeckungen wieder mehr Besucher ins Land locken. Die Tempel ist für die Volkswirtschaft ungemein wichtig. Die Lobbyorganisation World Travel Tourism Council geht davon aus, dass der Sektor insgesamt rund 30 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt.

Ein Großteil der ausländischen Gäste kommt nur wegen der Tempel: 2015 besuchte fast jeder zweite Tourist der insgesamt rund fünf Millionen Besucher in Kambodscha auch Angkor Wat. Grob gerechnet könnte man also sagen, dass der Tempel-Tourismus mehr als zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beisteuert. Immer wichtiger wird aber auch die Natur als Attraktion. So will das Land bald Tiger aus Indien wieder auswildern, um Besucher anzulocken.

Umwucherte Mauern der Tempelanlage. Foto: Frederic Spohr

Umwucherte Mauern der Tempelanlage. Foto: Frederic Spohr

Zwar ist die Wirtschaft in den vergangenen Jahren kontinuierlich mit rund sieben Prozent gewachsen, unter anderem wegen des florierenden Tourismus. Doch noch leben rund 70 Prozent aller Kambodschaner von weniger als drei Euro am Tag.

Über mehr Besucher würde man sich übrigens auch in Nordkorea freuen: Die Kommunisten haben im Dezember in der Nähe der Tempel ein Musuem über die alte Khmer-Kultur für mehr als 20 Millionen Euro eröffnet – die Einnahmen der ersten zehn Jahre fließen direkt nach Pjöngjang.

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