Rodrigo Duterte

Asiens Donald Trump schockiert die Philippinen

Der Favorit im Präsidentschaftsrennen macht Witze über Vergewaltigungen und nennt den Papst einen "Hurensohn".

Mathias Peer Von Mathias Peer
6. Mai 2016, Philippinen
Rodrigo Duterte im Jahr 2009, Foto: AKP Images / Keith Bacongco, CC BY 2.0

Dieser Präsidentschaftsbewerber gibt mit jeder Rede neuen Anlass für Empörung. Seine extremen Äußerungen und sein Feldzug gegen etablierte Politiker bescheren ihm gleichzeitig großen Zulauf. Die Rede ist nicht von Donald Trump, sondern von dem Kandidaten, der beste Chancen hat, neuer Präsident der Philippinen zu werden: Rodrigo Duterte – ein Mann, der öffentlich über Vergewaltigungen witzelt, den Papst beschimpfte und mit Todesdrohungen gegen Kriminelle punktet.

In Umfragen liegt der erklärte Gegner politischer Korrektheit wenige Tage vor der für 9. Mai angesetzten Abstimmung klar in Führung. Sein Kernthema brachte der 71-Jährige vergangene Woche einer Unternehmergruppe in Manilas Geschäftsviertel mit markigen Worten nahe: „Ich werde die Kriminellen jagen“, sagte Duterte. „Und wenn sie Widerstand leisten, dann werde ich einfach sagen: Tötet sie!“

Mehr als reines Säbelrasseln

Verbrechensbekämpfung mit aller Härte ist das Markenzeichen des langjährigen Bürgermeisters von Davao – einer Metropole, die früher als Mordhauptstadt des Landes und inzwischen als vergleichsweise sichere Gegend gilt. Mit extremen Methoden will Duterte seine Law-and-Order-Politik auf nationaler Ebene fortsetzen. Seinen Anhängern verspricht er im Fall seines Wahlsiegs eine „blutige Präsidentschaft“. Er werde 100.000 Verbrecher töten und ihre Leichen in die Bucht von Manila werfen, sagte er in einem Fernsehinterview.

Wenn sie Widerstand leisten, dann werde ich einfach sagen: Tötet sie!– Rodrigo Duterte –

Es ist davon auszugehen, dass sich hinter den martialischen Aussagen mehr verbirgt, als reines Säbelrasseln: Während Duterte in Davao das Sagen hatte, wurden mehr als 1000 mutmaßliche Kleinkriminelle und Drogendealer von einer Bürgerwehr ohne jeglichen Gerichtsbeschluss hingerichtet. Verbindungen zu dem illegal operierenden Tötungskommando gab Duterte zuletzt offen zu. Als er in der letzten Fernsehdebatte vor der Wahl gefragt wurde, was er tun würde, wenn seine Kinder in Drogengeschäfte verwickelt wären, antwortete er: „Ich werde sie töten.“

Der hohe Zuspruch für den radikalen Kandidaten liegt aus Sicht von politischen Beobachtern an der weit verbreiteten Frustration mit der Führung des bisherigen Präsidenten Benigno Aquino III., der nach seiner sechsjährigen Amtsperiode nicht mehr antreten darf. Aquino gelang es zwar, die Philippinen vom ehemals „kranken Mann Asiens“ zu einer der wachstumsstärksten Volkswirtschaften des Kontinents umzuformen. Doch in dem Land, in dem immer noch eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit herrscht und fast ein Drittel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, haben viele Wähler vor allem in den ländlichen Gebieten das Gefühl, zu kurz zu kommen.

Duterte gilt als Mann des Volkes

„Es hilft Duterte, dass er nicht aus der Hauptstadt stammt“, sagt Ranjit Singh Rye, Politologe an der University of the Philippines. „Der Respekt der Wähler gegenüber den traditionellen Eliten schwindet. Sie wollen einen entschlossenen Anführer, der so spricht wie sie und nicht noch einen weiteren Stammeshäuptling.“ Damit spielt er auf die mächtigen Dynastien an, die die Politik der Philippinen seit Jahrzehnten prägen. Aquino ist Sohn eines früheren Präsidenten, sein favorisierter Nachfolger ist Enkel eines früheren Staatsoberhauptes. Und der Favorit für den Posten des Vizepräsidenten ist der Sohn des früheren Diktators Ferdinand Marcos.

Entweder gibt es keinen Wandel, oder Wandel in die falsche Richtung.Curtis S. Chin

Duterte gelte hingegen als authentischer Mann des Volkes, sagt Politologe Rye. Diesen Ruf untermauert er regelmäßig mit seinen ruppigen Äußerungen. Papst Franziskus bezeichnete er als „Hurensohn“, weil dieser bei seinem Besuch auf den Philippinen lange Staus in Manila verursacht habe. In seinen Reden prahlt er damit, neben seiner Frau noch mehrere Geliebte zu haben. Der Unternehmergruppe in Manila erzählte er diese Woche ungefragt, dass er Viagra nimmt. Internationalen Protest löste er kürzlich aus, in dem er öffentlich scherzhaft bedauerte, dass er an der Massenvergewaltigung einer Australierin nicht selbst beteiligt war.

Die negativen Schlagzeilen scheinen seine Anhänger aber nicht zu stören. Duterte liegt laut der jüngsten landesweiten Umfrage mit 33 Prozent deutlich vor seinen Herausforderern.

Kurz vor der Abstimmung ist das Land polarisiert. „So wie Donald Trump hat Duterte mit seiner klaren Sprache und beleidigenden Rhetorik sowohl Wähler angezogen als auch andere verschreckt“, kommentiert Curtis S. Chin, der am amerikanischen Milken Institute über Asiens Entwicklung forscht. Viele Menschen auf den Philippinen sehen sich seiner Meinung nach ebenso wie viele Amerikaner mit einer unangenehmen Entscheidung konfrontiert. „Entweder gibt es keinen Wandel, oder Wandel in die falsche Richtung.“

3 Kommentare
  1. Janosz 6. Mai 2016

    das war aber nicht sehr zu seinen kunsten du siehst nicht die positive Seite !! Aber wir werden sehen was passiert .

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  2. […] seiner Wahl rund 100.000 Kriminelle hinrichten zu lassen. Mein Kollege Mathias Peer hat sich den Kandidaten mal etwas genauer angeguckt.  In unserem Bevölkerungsliveblog haben die Philippinen diese Woche übrigens die Marke […]

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  3. Klaus 8. Mai 2016

    Sehr einseitiger Bericht. Könnte von ABS/CBN sein, die berichten auch nur negativ über den Mann.

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