Bettelmönch zu sein schlägt auf die Figur: In Thailand sind fast die Hälfte aller Mönche übergewichtig, warnt Jongjit Angkatavanic, Gesundheitswissenschaftlerin an der Chulalongkorn Universität in Bangkok.
Die Wissenschaftlerin hat die Geistlichen genaustens vermessen und außerdem ihre Blutwerte kontrolliert. Und die sehen alles andere als gut aus: 40 Prozent haben einen zu hohen Cholesterin-Spiegel, 23 Prozent einen zu hohen Blutdruck und zehn Prozent leiden an Diabetes. Die schlechten Ergebnisse führt sie auf die Fettleibigkeit zurück. “Das Übergewicht unserer Mönche ist eine tickende Zeitbombe”, sagt Jongjit gegenüber der „Bangkok Post„.
In einem Kloster und vier Tempeln in Bangkok müssen sich die Mönche deswegen bereits einem Fitness-Programm unterziehen. Sie bekommen Diät-Kost vorgesetzt und werden regelmäßig dazu ermuntert, sich mehr zu bewegen. In der Regel ist das Leben eines Mönches eher bewegungsarm, sie meditieren und lesen viel. Manche lehnen Sport sogar aus religiösen Gründen ab. Die Wissenschaftler sagen allerdings, auch Spaziergänge oder Putzen würden den Mönchen schon gut tun.
Mönche specken erfolgreich ab
Damit sie ihre Körpermaße außerdem immer im Blick haben, hat das Chulalongkorn Memorial Hospital spezielle Gürtel angefertigt. Jongjit zufolge zeigt das erste Erfolge: Innerhalb von zwei Monaten haben die Mönche in einem Pilotprojekt so durchschnittlich einen Kilo abgenommen. Ähnliche Programme sollen nun im ganzen Land starten.
Die Mönche sind nicht alleine Schuld an ihren vielen Pfunden. Ihre Kost beziehen viele größtenteils aus Essenspenden, die sie von der Bevölkerung einsammeln. Und die Nahrung ist oft alles andere als gesund: Verschenkt werden viele stark gesüßte Tees und Frittiertes – ungesunde Speisen, die in Thailand an jeder Straßenecke angeboten werden.
Wie die Bevölkerung vieler Schwellenländer Asiens werden die Thais deswegen immer dicker. Einige Wissenschaftler erwarten sogar, dass Menschen in Schwellenländern schon bald dicker sein werden, als in den Industriestaaten. Ihre Nahrung wird immer zucker- und fetthaltiger, gleichzeitig ernährt sich die Bevölkerung weniger bewusst.
Die Mönche bringt das auch in ein religiöses Dilemma: Denn einerseits dürfen Mönche, das viele ungesunde Essen, das ihnen angeboten wird, nicht ablehnen – andererseits ist Mäßigung auch eine wichtige Mönchstugend. Die Wissenschaftler rund um das Abnehmprogramm wollen deswegen auch die Öffentlichkeit genauer über die Gewichtsprobleme der Mönche informieren.
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