Lebensmittel

Der Yoga-Konzern

Baba Ramdev, Indiens bekanntester Yoga-Lehrer, baut ein Konsumgüter-Imperium. Nestlé könnte das gefährlich werden.

Frederic Spohr Von Frederic Spohr
24. November 2015, Indien
Yoga am Ganges. Foto Miss Millions, CC BY 2.0

Wenn ihm etwas nicht passt, dann droht Baba Ramdev schon mal mit einem Hungerstreik bis zum bitteren Ende: Als Indiens bekanntester Yoga-Guru einmal gegen Korruption fastete, akzeptierte er erst nach neun Tagen ein Glas Saft. Da lag er schon im Krankenhaus.

Mit diesem zähen Gegner muss jetzt der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ringen – zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn das Image der Schweizer ist angekratzt; erst seit kurzem darf Nestlé seine Maggi-Nudeln wieder in Indien verkaufen. Zuvor hatte die indische Lebensmittelbehörde hunderte Millionen Packungen wegen zu hoher Bleiwerte aus dem Markt verbannt.

Ramdev will diese Schwäche nutzen. Wenn er nicht über Atemtechniken redet, macht er nun Werbung für seine neue Leidenschaft: ein angeblich super gesundes Konkurrenzprodukt zu den Nestlé-Nudeln. Schon kurz nach dem Verkaufsstart verspricht er, die Nudeln bald in sechs weiteren Fabriken zu produzieren.

Leicht zu unterschätzen

Der 50-jährige Guru sieht aus, wie man sich einen Yoga-Guru vorstellt: Er hat lange Haare, einen Zottelbart und läuft stets in einem safranfarbenen Gewand herum. Das Netz ist voll von GIFs und Videos, die sich über ihn lustig machen. Vor allem bei vielen modernen, städtischen Indern ist er nicht gerade beliebt: Das liegt zum Beispiel daran, dass er einst versprach, er könne Homosexualität „innerhalb von sechs Monaten heilen“.

Doch unterschätzen sollte ihn die internationale Konkurrenz nicht. Bei konservativen Indern aus der Provinz kommt der Guru gut an. Das von ihm und seinem Vertrauten Acharya Balkrishna gegründete Unternehmen Patanjali Ayurved gehört laut dem Marktforschungsunternehmen CLSA zu den am schnellsten wachsenden Konsumgüterherstestellern in Indien. Der Enthaltsamkeit predigende Ramdev hat zwar keine Anteile an der Firma, ist aber der omnipräsente Markenbotschafter.

Vom Guru zum Manager

Ramdev kommt aus armen Verhältnissen, seine Eltern schuffteten auf den Feldern im Bundesstaat Haryana. Die Schule besuchte er nur bis zu achten Klasse, dann befasste er sich lieber mit Yoga und Hinduismus. Den Durchbruch schaffte er mit einer Yoga-Show im Fernsehen. Millionen zappten von Seifenopern weg, um lieber seine Atemübungen und Figuren nachzumachen.

Mit seiner wachsenden Popularität baute er sich ein kleines Imperium auf: Zu seiner Stiftung gehören mittlerweile Hospitäler, Spas und hunderte Yoga-Zentren. Zu seinen Auftritten lässt er sich in einem dicken SUV fahren, manchmal nimmt er auch den Privatjet.

In Interviews mit Wirtschaftszeitungen, klingt er eher wie ein Manager als ein Yoga-Lehrer. Spirituellen Sanftmut können seine Konkurrenten von ihm nicht erwarten. Weltkonzerne, sagt er, werden gegenüber seinem Unternehmen „bald wie Zwerge aussehen“.

Der Aufbau seiner eigenen Firma gehört für ihm zum Kampf gegen den Kapitalismus: Sollten Nestlé und oder Unilever einmal rund 25 Prozent ihre Gewinne an die Armen verteilen, werde Patanjali Ayurved den Betrieb sofort einstellen, versprach Ramdev jüngst.  Außerdem ist er Teil der nationalistischen Swadeshi-Bewegung, der ein komplett autarkes Indien vorschwebt: „Seid indisch“, rief er seinen Anhängern einmal zu. „Sprecht indische Sprachen, tragt indische Kleidung und trinkt indische Getränke.“ Da passt es gut, dass sein Unternnehmen bald alle Produkte für den täglichen Bedarf abdeckt: Indisches Waschmittel, indische Cornflakes und jetzt indische Instant-Nudeln.

Die Produkte von Patanjali Aryuved sind oft etwas billiger als die der Konkurrenz. Der wichtigste Umsatzgarant ist aber er selbst: Während der Yoga-Sessions preisen er und seine Jünger die Produkte des Unternehmens immer wieder als besonders natürlich, gesund und indisch an. Die Marktforscher von CLSA schätzen, dass Patanjali Aryuved so rund 200 Millionen Inder erreicht.

Gleichzeitig ist Ramdev hervorragend politisch vernetzt. Mit dem polarisierenden Ministerpräsidenten Narendra Modi versteht er sich prächtig, in der Regierungspartei BJP kennt er die Führungsriege. Das könnte ihm auch helfen, einen etwas bizarren Streit mit der indischen Lebensmittelaufsichtsbehörde zu lösen: Die Beamten werfen ihm vor, keine gar Lizenz für den Verkauf von Instant-Nudeln zu haben. Ramdev verweist auf seine Pasta-Lizenz und zeigt sich selbstsicher: „Da muss ein Missverständnis ihrerseits vorliegen.“

1 Kommentar
  1. […] dürfte auch nach dem Geschmack von Yoga-Guru Baba Ramdev sein, der das Aushängeschild und Mitgründer der Marke Patanjali ist.  Das junge Unternehmen […]

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