Liebe Leserinnen und Leser, in Deutschland ist der Kinderarzt Beat Richner eher unbekannt, in der Schweiz kennt ihn fast jeder. Und das zu Recht: Richner hat seit Anfang der Neunziger insgesamt fünf Kinderkrankenhäuser in Kambodscha aufgebaut. Nur 20 Prozent der Kosten werden von Schweiz und Kambodscha getragen, den Rest machen Spenden aus. Das Besondere: Einen großen Teil davon hat der Cellist Richner bei Benefiz-Konzerten eingespielt.
Leider ist es damit nun vorbei, denn wie seine Stiftung diese Woche mitteilte, ist Richner erkrankt und kann sich nicht weiter um sein Lebenswerk kümmern. Mit seiner Rückkehr ist nicht zu rechnen. Das war auch der traurige Anlass meiner Geschichte, die diesen Sonntag Schweizer Sonntagszeitung erschienen ist.
Als ich eine der Kliniken diese Woche in Phnom Penh besucht habe, war ich jedenfalls beeindruckt: In einer Klinik werden täglich rund 1500 neue Patienten untersucht, der Kinderarzt aus Zürich hat eine wahre Gesundheitsfabrik aufgebaut: Spartanisch eingerichtet und mit zu wenig Platz, aber effizient, modern und hygienisch. In seinen Spitälern werden mittlerweile rund 90 Prozent der erkrankten Kinder behandelt. Viele Patienten und Ärzte nennen Richner einfach nur noch „Docter God“. Einen Eindruck von Dankbarkeit ihm gegenüber bekommt man auf seiner Facebook-Seite.
Nun stehen die Kliniken vor einem Problem: Nach dem Ausscheiden des genialen Fundraisers Richner müssen sie dringend neue Geldquellen finden. Angesichts der Bedeutung der Krankenhäuser wird Kambodscha seinen Anteil erhöhen – damit wird der Staat aber vermutlich auch mehr Einfluss verlangen. Und dass Richners Kliniken bisher so autark arbeiteten, war einer der Gründe für ihren Erfolg.
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Herzliche Grüße aus Phnom Penh
Frederic Spohr
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