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Philippinen

Warum Duterte Europas Politiker töten möchte

Auf Geschäfte mit der EU haben die Philippinen unter ihrem neuen Präsidenten offenbar keine Lust.

Mathias Peer Von Mathias Peer
25. März 2017, Philippinen
Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte, Quelle: PCOO EDP

Mathias PeerLiebe Leserinnen und Leser, auf der Suche nach neuen Wachstumsmärkten müssten die Philippinen für Europa eigentlich eine der ersten Adressen sein, die es anzusteuern gilt. Mit einer Wachstumsrate von 6,8 Prozent hängte die philippinische Wirtschaft im vergangenen Jahr sogar China ab. Auch 2017 gehört das 100 Millionen Einwohner große Land zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Doch für gute Geschäfte zwischen der EU und den Philippinen gibt es ein bedeutendes Hindernis: Rodrigo Duterte.

Der Mann, der vor knapp einem Jahr zum philippinischen Präsidenten gewählt wurde, macht es den Europäern nicht gerade leicht, ein gutes Verhältnis aufzubauen: „Fuck the EU“, schmetterte er Abgeordneten des EU-Parlaments schon vor Monaten entgegen. Diese Woche wurde er noch deutlicher: „Ihr Verrückten, ihr Hurensöhne! Hört auf damit, euch bei uns einzumischen!“, rief er bei einem Auftritt in Manila in Richtung von EU-Vertretern, die Kritik an Dutertes blutigem Drogenkrieg und der Wiedereinführung der Todesstrafe übten. „Wenn es nach mir ginge, würde ich euch alle aufhängen.“

Angesichts der öffentlichen Anfeindungen erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass die überschaubaren Geschäftsbeziehungen zwischen der EU und den Philippinen bald an Fahrt aufnehmen. Zuletzt lag das Handelsvolumen bei lediglich 13 Milliarden Euro im Jahr – sogar mit dem Iran tauschte die EU mehr Waren und Dienstleistungen aus. Nun könnten auch noch EU-Zollvergünstigungen für die Philippinen wegfallen, wie EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström Anfang März in Manila betonte: Sie sind im Rahmen des Programms GSP-Plus unter anderem an die Einhaltung der Menschenrechte gebunden. Bei Tausenden Toten in Dutertes Drogenkrieg kann davon allerdings keine Rede sein.

Duterte tut so, als wären ihm mögliche Sanktionen egal: „Die EU ist meine geringste Sorge“, verkündete er am Freitag. „Ich habe eine Nation aufzubauen und wende mich deshalb an China.“

Wie sollte Europa Ihrer Meinung nach auf Duterte reagieren? Schreiben Sie mir an mathiaspeer@8mrd.com.

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Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Viele Grüße aus Ho-Chi-Minh-Stadt
Mathias Peer

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