Das indische Unternehmen Samvedna verspricht etwas, von dem viele glauben, man könne es sich durch Geld eigentlich nicht kaufen. Die Firma aus Gurgaon, einer boomenden Retorten-Stadt nahe Indiens Hauptstadt Neu Delhi, wirbt mit einem “Allgemeinen Wohlfühlservice”. Er richtet sich an einsame alte Menschen – die sich mithilfe der Firma etwas Gesellschaft kaufen können.
Indien hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten dramatisch verändert: Millionen Inder haben die Provinz verlassen und suchen ihr Glück in den Megacitys. Fachkräfte zieht es oft ins Ausland, wo sie das Zehnfache verdienen können. Genau wie im Westen bekommen in indischen Großstädten die Menschen zudem immer weniger Kinder. Die rasante Entwicklung sprengt die traditionelle indische Großfamilie – und lässt insbesondere ältere Menschen oft einsam und allein zurück.
Unternehmen versuchen nun von der Entwicklung zu profitieren. Der potenzielle Markt ist groß: Bereits im Jahr 2014 waren mehr als 100 Millionen Inder älter als 60 Jahre, 2021 sollen es bereits mehr als 140 Millionen sein. Die Omas und Opas wollen nicht nur versorgt, sondern auch unterhalten werden.
Statt Familienmitglieder sollen sich Mitarbeiter von Firmen um die Alten kümmern. Gemeinsam lösen sie mit den Omas und Opas Kreuzworträtsel, gehen Kaffee trinken oder quatschen einfach nur ein bisschen – eben wie es eine Enkelin oder ein Sohn machen würde. Nur das es eben etwas kostet: Bei dem Unternehmen The Family Member in Ahmedabad liegt der Preis etwa bei etwas mehr als zwei Euro für 90 Minuten.
“Der nicht-medizinische Anteil bei der Betreuung von den alten Menschen wird künftig immer wichtiger werden”, sagt The-Family-Member-Gründer Piyush Vayeda. “Die Familien in Indien werden weiter zerstückelt, die Menschen werden einsamer.“ Sein Unternehmen bietet auch normalen einen Pflegedienst an. Die große Chance sieht er aber darin, den Alten vor allem Gesellschaft zu leisten. “Im Jahr 2025 wird es in Indien ganz normal sein, dass sich die Menschen eine art Familienmitglieder mieten.” Die Zeitung „Hindustan Times“ zählt immerhin schon heute fünf Firmen, die mit dieser Geschäftsidee ihr Geld verdienen.
Die Helfer sind weit mehr als einfache Haushaltshilfen – die sind in einem Mittelschichtshaushalt in Indien ohnehin Standard. In der Regel kommen Köche, Putzhilfen und Fahrer jedoch aus ärmeren Verhältnissen. Ein wohlbetuchter Inder würde kaum mit seinem normalen Hausangestellten Kaffee trinken gehen oder ein Spielchen spielen. Die sozialen Unterschiede sind dafür einfach zu groß.
“Unsere Mitarbeiter haben ein viel höheres Bildungsniveau als normale Haushaltshilfen”, sagt Gründer Vayeda. Er schickt unter anderem Studenten als bezahlte Enkel zu den Alten. Die jungen Menschen würden sich für ihre gelegentliche Besuche rund 50 Euro im Monat dazu verdienen können. Das klingt nach wenig, ist für viele indische Studenten jedoch eine gutes Zubrot.
In Indien dürfte sich das Konzept besonders schnell durchsetzen, glaubt Vayeda. Nötig wäre es wohl seiner Meinung auch in Ländern auch wie in Deutschland oder Japan, wo die Alten ebenfalls oft einsam seien. Da ließe es sich aber wohl nur schwerer etablieren, vermutet er. “In Indien haben wir den Vorteil, dass die Löhne so günstig sind.”