Wie in Vietnam ein Grenzbeamter einen Eklat mit China auslöst
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China wird immer unbliebter

Ein Eklat in Vietnam zeigt die zunehmend anti-chinesische Stimmung in Südostasien.

Mathias Peer Von Mathias Peer
29. Juli 2016, China, Vietnam
Chinesische Flagge in den USA, Foto: Tomas Roggero, CC BY 2.0

Mathias PeerLiebe Leserinnen und Leser, das Gekritzel eines Grenzbeamten hat normalerweise nicht die Brisanz, um einen diplomatischen Eklat auszulösen. In der aufgeheizten Stimmung zwischen China und seinen Nachbarländern sieht die Sache anders aus: Ein vietnamesischer Beamter soll in den Pass einer Chinesin die Wörter „Fuck you“ geschrieben haben, berichten chinesische Staatsmedien. Die uncharmante Begrüßung soll sich auf der im Pass eingezeichneten Landkarte genau über dem umstrittenen Südchinesischen Meer befinden. Chinas Regierung fordert nun von Vietnam eine offizielle Erklärung für den angeblichen Zwischenfall.

Die inoffizielle Erklärung ist offensichtlich: Anti-chinesische Stimmung breitet sich in Südostasien immer weiter aus. In Vietnam und den Philippinen liefert das offensive Auftreten der Regierung in Peking den Anlass für Straßenproteste. In Thailand bilden Beschwerden über das vermeintlich massenhafte Fehlverhalten chinesischer Touristen das Grundrauschen in den sozialen Medien. Die allgegenwärtige China-Kritik ist nicht nur ein asiatisches Phänomen: Auch in Afrika, wo die Volksrepublik Milliardensummen investiert, ist der Ruf der Chinesen nicht der beste.

Mit ihrem Imageproblem ist die aufstrebende Supermacht aber nicht allein. Der alten Supermacht, den USA, geht es in China ähnlich. Im Zorn über Amerikas geopolitische Interessen im Pazifik boykottieren Chinesen nicht nur die Fastfoodkette KFC. Sie zerschmettern aus Protest sogar ihre iPhones. Spätestens diese sinnlose Aktion macht deutlich, dass diese Art der Konfliktbewältigung nur Verlierer kennt.

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Viele Grüße aus Bangkok
Mathias Peer

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