Newsletter

Der Brexit trifft Asien

Die Entscheidung der Briten zum EU-Austrifft beeinflusst auch viele Schwellenländer

Frederic Spohr Von Frederic Spohr
24. Juni 2016, Hongkong, Singapur
Von den asiatischen Staaten ist Singapur ganz besonders vom Brexit bedroht. Foto: Joan Campderrós-i-Canas, CC BY 2.0

fredLiebe Leserinnen und Leser, 

etwas mehr als 17 Millionen Briten haben mit ihrer Stimme für den Brexit die ganze Welt geschockt. In Indien gab der Leitindex Sensex zeitweise mehr als 3,5 Prozent nach, der Index MSCI Asia-Pacific (ohne Japan) sackte kurzfristig um rund fünf Prozent ab. Investoren stecken ihr Kapital in vermeintlich sichere Anlagen – Schwellenländer sind da eher weniger attraktiv.

Einige Ökonomen erwarten harte Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Das japanische Bankhaus Nomura hat seine Wachstumsprognose für mehrere Volkswirtschaften nach unten korrigiert. Besonders betroffen in Asien sind demnach Hongkong, Singapur, Malaysia und Thailand. Die beiden Finanzzentren könnten ein Prozent langsamer wachsen, Thailand und Malaysia rund 0,5 Prozent. Aufgrund ihrer starken Exportorientierung seien die asiatischen Schwellenländer sogar noch anfälliger als die neuen EU-Mitgliedsstaaten, vermuten die Ökonomen.

Allerdings muss es nicht so kommen: Vieles wird jetzt davon abhängen, wie der Brexit abläuft. Eine Rezession allein im Vereinigten Königreich dürfte die Weltwirtschaft kaum kümmern, sagt Frederic Neumann, Asien-Chefvolkswirt der britischen Großbank HSBC. Sollte der Brexit einigermaßen glatt verlaufen und eine Schwächephase in Europa verhindert werden, dürften auch Asien und die anderen Schwellenländer glimpflich davon kommen. Die heftige Reaktion an den Finanzmärkten zeigt aber: Momentan ist er mit dieser Einschätzung in der Minderheit.

Was hat Sie diese Woche beschäftigt? Haben Sie etwas Interessantes erlebt? Schreiben Sie mir an: fredericspohr@8mrd.com.

Das könnte Sie auch noch interessieren:

Indien öffnet sich für Investoren: Mit einem ziemlich radikalen Schritt hat Indiens Regierung die Hürden für Direktinvestitionen gesenkt. Die Maßnahme dürfte auch ein Trostpflaster für Investoren sein, nachdem die Regierung den angesehenen Notenbank-Chef Raghuram Rajan vergrault hat. Der kündigte vergangenes Wochenende an, im September aufzuhören.

Freiheit auf dem Rückzug: 15 Staaten haben sich seit 2000 mehr oder weniger von der Staatsform der Demokratie verabschiedet oder diese zumindest ausgehöhlt. Darunter sind viele Schwellenländer: Das Magazin Foreign Affairs zählt dazu Russland, Thailand und die Türkei. Schuld daran sei das abnehmende Interesse der USA, die Staatsformen mit Geld und Marketing zu unterstützen und zu verbreiten.

Der Yoga-Minister im Interview: Diese Woche feierte Indien und die ganze Welt den Yoga-Tag. Wir sprachen kurz mit dem indischen Yoga-Minister über den Erfolg des Gurus und Geschäftsmann Baba Ramdev.

In China essen sie Hunde? Stimmt. Aber nicht überall. Eigentlich wird Hund nur an der Grenze zu Korea und in Südchina gegessen. Am Donnerstag fand in Yulin wieder das berüchtigte Hundefleisch-Festival statt. Die Mehrheit der Chinesen aber ist längst gegen diesen Brauch und fordert die Regierung auf, den Verzehr von Hundefleisch zu verbieten.

Ausgerechnet ein Friedhofsbetreiber startet auf den Philippinen den ersten Börsengang seit der Wahl von Rodrigo „The Punisher“ Duterte. Im Wahlkampf hatte der neue Präsident, dem Verbindungen zu Todesschwadronen nachgesagt werden, versprochen, 100.000 Kriminelle töten zu lassen. Der Zeitpunkt ihres Börsengangs habe damit aber nichts zu tun, teilte die Friedhofsfirma mit.

Herzliche Grüße aus Bangkok

Frederic Spohr

Sind Sie noch kein Newsletter-Abonnent? Hier können Sie ihn bestellen.

Hinterlasse einen Kommentar


*