Freedom 251: Die irre Geschichte vom Billig-Smartphone
Freedom 251

Die irre Geschichte vom Drei-Euro-Smartphone

Steckt hinter der angeblichen Sensation ein riesiger Schwindel?

Frederic Spohr Von Frederic Spohr
22. Februar 2016, Indien
Macht das Freedom 251 bald Millionen Inder glücklich? Foto: Foto: Swaminathan, CC BY 2.0

Für 250.000 Inder beginnt jetzt das bange Warten. So viele Menschen haben es dem Hersteller Ringing Bells zufolge geschafft, eine Bestellung für das angeblich billigste Smartphone der Welt aufzugeben. Das war nicht einfach, denn angesichts des Ansturms brach die Website des Unternehmens immer wieder zusammen. 600.000 Klicks pro Sekunde seien einfach zu viel, teilte die Firma mit. Einige Kunden machte das so wütend, dass sie vor den Büros von Ringing Bells protestierten.

Doch ob die 250.000 wirklich ein Gerät erhalten werden, erscheint fraglich. Das neue Wunder-Smartphone wird von immer mehr Pannen und Unstimmigkeiten begleitet. Mittlerweile muss sich das Unternehmen gegen Betrugsvorwürfe wehren. Das Angebot sei nichts anderes als ein Pyramidenspiel, behauptet der Abgeordnete Kirit Somaiya von der Regierungspartei BJP bereits auf seiner Facebook-Seite.

Unternehmen und Politiker hatten große Erwartungen geweckt: Auch der ärmste Bauer sollte für umgerechnet rund 3,30 Euro ein Handy mit acht Gigabyte Speicherplatz, einen Vierkernprozessor mit 1,3 GHz sowie ein 4-Zoll-Display bekommen. Das alles sei dank der Unterstützung der Regierungskampagne „Make in India“ möglich, sagte Ringing-Bells-Präsident Ashok Chadha bei der Produktvorstellung vergangene Woche. Mit auf der Bühne stand auch Murli Manhor Joshi, ein prominenter Politiker der Regierungspartei BJP. Der pathische Name des Handys: Freedom 251.

Doch bald folgten die ersten Dämpfer: Als Journalisten Farbe und eine große Indienflagge von ihren Testgeräten entfernten, wurde klar, dass es sich bei dem vorgestellten Gerät wohl um ein leicht verändertes Handy vom Typ Adcom Ikon 4 handelt. Es wird in China hergestellt und ist in Indien derzeit für rund 50 Euro haben.

Freedom 251 ist ein altes Modell

Für Verwunderung sorgte auch, dass in dem Handy Icons installiert waren, die jenen von Apple zum Verwechseln ähnlich sehen. Der indischen Zeitung „Hindustan Times“ zufolge soll es sich bei dem Freedom 251 um ein Smartphone handeln, das vor einigen Jahren in China als iPhone-Kopie verkauft wurde.

Und so wächst die Skepsis: Der Verband der indischen Smartphone-Industrie bezweifelt, dass man den Preis des Smartphones so stark drücken könne. Allein das Material für das Gerät koste rund 35 Euro, wie die „Times of India“ aus einem Brief des Verbandes zitiert. Noch hat das Unternehmen außerdem noch nicht einmal eine Fabrik. Ein anonymer Wettbewerber sagte dem „Wall Street Journal“, in Indien könne es bis zu einem Jahr dauern, eine Produktion aufzubauen.

Doch nicht nur die Konkurrenz wird misstrauisch. Auch die Politik schaltet sich mittlerweile ein. „Kein Plan, kein Geld, keine Genehmigung“, schreibt der Abgeordnete Somaiya. Die Behörden hätten mittlerweile auf sein Anraten hin mit Untersuchungen begonnen, teilte er mit.

Ringing Bells versucht unterdessen die Wogen zu glätten: Die vorgestellte Version sei nur ein Prototyp. Das endgültige Gerät würde man in Indien produzieren und angesichts der riesigen Stückzahlen könne man den Preis problemlos drücken. Auch der Online-Vertrieb würde Kosten senken. Zudem werde das Unternehmen Geld einnehmen, indem es Unternehmen für die Vorinstallation von Apps zahlen lasse. Gegenüber der „Times of India“ rechnete Firmengründer Mohit Goel vor, er werde pro verkauftem Smartphone einen Gewinn von umgerechnet rund 40 Cent machen. In einem früheren Interview versicherte Goel außerdem, dass er die die bisher überwiesenen Beträge zunächst nicht antasten werde.

Firmengründer von Ringing Bells ist vollkommen unbekannt

Woher das Geld für sein riesiges Vorhaben kommt, ist allerdings unklar. Mehreren Berichten zufolge soll das Kapital von der Familie Goel stammen, die ihr Vermögen in der Landwirtschaft gemacht haben soll. Der „Ecomomic Times“ zufolge führt sein Vater jedoch nur ein einfaches Lebensmittelgeschäft. Auch über die bisherige Karriere des Mohit Goel ist wenig bekannt. Immerhin: Der Mann, der Indiens Smartphone-Markt revolutionieren möchte, nennt sich auf Facebook  „CuteMohit“ – was bereits für reichlich Spott gesorgt hat.

Dass die Firma nicht gerade die professionellste ist, dürften aber auch schon einige Kunden gemerkt haben. Wer in der Bestellmaske bei der Anzahl der Handys 0,5 statt einer ganzen Zahl einträgt, bekommt nicht etwa eine Fehlermeldung – stattdessen wird einfach der halbe Preis angezeigt. Trotz der Fragezeichen twitterten viele Inder, sie hätten gleich mehrere Geräte bestellt. Ob sie tatsächlich ein Schnäppchen machen, wird sich spätestens Ende Juni zeigen. Dann will Ringing Bells die ersten Smartphones ausliefern.

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1 Kommentar
  1. wolfram 23. Februar 2016

    Ich wünsch den Inhabern mit ihren Team von ganzem Herzen viel Erfolg. Nur wirkliche Visionäre können die Welt verändern (siehe Appel)!
    Beste Grüße aus Deutschland

    Reply

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