Aserbaidschan: Wie die Diktatur mit der Formel 1 ihr Image aufpolieren will
Aserbaidschan

Formel 1 statt Öl

Wie eine Diktatur mit dem Sport ihr Image aufpolieren will

Philipp Mattheis Von Philipp Mattheis
25. Februar 2017, Aserbaidschan

Philipp Liebe Leserinnen und Leser, Bakus Architektur, die Hauptstadt Aserbaidschans, gliedert sich nach Ölbooms. Da ist die alte islamische Stadt, von der einer pittoresken Mauer umgeben. Weitaus größer sind die Prachtbauten der Jahrhundertwende. Noch vor 1900 war Baku einer der wichtigsten Öl-Lieferanten der Welt. Die Nobel-Familie, und in geringerem Maß die Rothschilds, wurden hier reich.

Der zweite Boom begann nach dem Ende der Sowjetunion. Ausländische Firmen halfen die marode Förderanlagen zu modernisieren. Die Wirtschaft wuchs im zweistelligen Prozentbereich. Wahrzeichen des zweiten Booms sind die drei 2012 fertiggestellten „Flame Towers“.

Mit dem Verfall des Ölpreises aber hat sich das Wachstum der Diktatur (Staatspräsident Alijew ernannte erst vergangene Woche seine Frau zur Vize-Präsidentin…) merklich abgekühlt. Wie auch die Golf-Staaten ist Aserbaidschan gezwungen, seine Wirtschaft zu diversifizieren. Helfen dabei soll auch ein Formel-1-Rennen, das dieses Jahr im Juni zum zweiten Mal stattfindet. Die Kosten sind immens, die Gewinne höchstens indirekt in Form von einem besseren Image. Der Baku City Circuit ist eines von nur drei Rennen, die mitten durch eine Stadt führen. Die Altstadt Bakus wird für mehrere Tag komplett abgeriegelt und nur über wenige Fußbrücken erreichbar sein. Die Bewohner wurden natürlich nicht gefragt. Wo kämen wir denn dahin?

Ein schönes Wochenende aus Baku wünscht

Philipp Mattheis

Haben Sie Fragen, Kritik oder Anregungen? Schreiben Sie mir an philippmattheis@8mrd.com.

Das könnte Sie auch interessieren:

Verquer: Der Historiker und Professor Michael Auslin stellt in diesem Podcast sein neues Buch vor „The End of the Asian Century“. Er argumentiert: Der Abstieg Asiens hat gerade erst begonnen.

Verhaftet: Seit über zehn Tagen sitzt der WELT-Korrespondent Denis Yücel in einem türkischen Gefängnis. Unterdessen beantragen immer mehr türkische Diplomaten Asyl in Deutschland.

Verstimmt: Die Ermordung des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Malaysia sorgt für Streit zwischen zwei langjährigen Freunden. Malaysier waren lange Zeit die einzigen Ausländer, die visafrei nach Nordkorea reisen durften. Doch jetzt werden die Beziehungen von zahlreichen gegenseitigen Vorwürfen überschattet.

Sind Sie noch kein Newsletter-Abonnent? Hier können Sie ihn bestellen.

Hinterlasse einen Kommentar


*